Fibromyalgiesyndrom, Fibromyalgie 3. Fassung

Fibromyalgiesyndrom, Fibromyalgie 3. Fassung

nachzulesen unter:

www.uniduesseldorf.de/AWMF/ll/041-004.htm,

Stand: 01.04.2012 , gültig bis 01.04.2017

Als Kurz- und Langfasung.

Hier die Information für Arzt + Patient

Symptomenkomplex:

Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen
(chronic widespread pain, CWP)


1. Die Schmerzen sind meist mit anderen körperbezogenen Beschwerden wie 
Druckschmerzempfindlichkeit,
2. Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände, der Füße und des Gesichts,
3. Müdigkeit, Schlafstörungen sowie mit
4. seelischen Beschwerden wie Ängstlichkeit und Depressivität assoziiert.

2/3 der Patienten leidet an Schlafstörungen, Müdigkeit und Morgensteifigkeit,
1/2 der Patienten Parästhesien, Ängstlichkeit und Kopfschmerzen sowie
1/3 der Patienten Reizdarmsymptome an (Wolfe 1990).

Tender Points:
Tender Points werden durch umschriebene Druckschmerzempfindlichkeit an Muskel-Sehnenansätzen definiert. Vermehrte Druckschmerzempfindlichkeit an Tender Points ist ein Hinweis auf eine herabgesetzte Schmerzschwelle. Die Zahl der Tender Points korreliert mit dem Ausmaß des körperlichen und psychosozialen Distress.

Der Nachweis von mindestens 11 von 18 bei Palpation druckschmerzhaften Tenderpoints ist für die klinische Diagnose eines FMS nicht notwendig.

Die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms als Grundlage für therapeutische Entscheidungen kann nach symptombasierten Kriterien:

1. chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und

2. Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände oder Füße oder Gesicht und

3. Müdigkeit und Schlafstörungen erfolgen.

Diagnostik:

Es wird empfohlen,

1.   Die Lokalisationen und Ausdehnung der Schmerzen an Hand einer von dem Patienten ausgefüllten Schmerzskizze zu erfassen.

2. vollständige Medikamentenanamnese zu erheben, um gegebenenfalls   unerwünschte  Arzneimittelwirkungen als mögliche Ursache von FMS/CWP zu erfassen.

3. Vollständige körperliche Untersuchung und

4. folgende Labor-Untersuchungen durchzuführen:

Labor-Untersuchungen:

a. Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein, kleines Blutbild, AK-CCP

- zum Ausschluß einer Polymyalgia rheumatica bzw. rheumatoiden Arthritis, empfehlenswert,      s.u!

b. Kreatininkinase (z. B. Muskelerkrankungen )

c. Kalzium (z. B. Hyperkalziämie)

d. Thyreoidea-stimulierendes Hormon basal, TSH-basal (Hypothyreose)

e. Ohne klinische Hinweise ist eine routinemäßige Untersuchung auf entzündlich - rheumatische Erkrankungen assoziierten Autoantikörpern nicht sinnvoll. (AK-CCP)

f. In Abhängigkeit von der Anamnese und dem körperlichen Untersuchungsbefund können weitere Laboruntersuchungen sinnvoll sein.

Komorbiditäten:

Die Diagnose einer anderen Erkrankung schließt die Diagnose eines CWP bzw. FMS nicht aus.

Anamnese weiterer funktioneller somatischer Syndrome:

1. Beschwerden des Verdauungstraktes (z. B. Globusgefühl, dyspeptische Beschwerden und Stuhlunregelmäßigkeiten):

2. Reizmagen und Reizdarm

3. Miktionsbeschwerden (Schmerzen bei Wasserlassen, häufiges Wasserlassen): Reizblase

4. Kopfschmerzen: Kopfschmerz vom Spannungstyp

5. Gesichtsschmerzen, nächtliches Zähneknirschen

6. Chronische Unterbauchschmerzen: Chronic pelvic pain (Frau) bzw. Prostatadynie (Mann)

7. Herzbezogene Beschwerden (z. B. Palpitationen, thorakales  Druckgefühl): Funktionelle Herzkreislaufbeschwerden

8. Atembezogene Beschwerden (z. B. Gefühl der Atemhemmung): Funktionelle Atembeschwerden

9. Ohrgeräusche, Geruchs- und Lärmüberempfindlichkeit, empfindliche

10. Augen: Reizüberempfindlichkeit

11. Vermehrtes Frieren oder Schwitzen, Kältegefühl der Extremitäten

Psychosoziale Stressoren (Beruf, Partnerschaft, Familie, Trennung)

Verlauf:

Häufig persistieren  die Schmerzen im Langzeitverlauf.

Ein Teil der Patienten gibt im Langzeitverlauf eine bessere Adaptation an die

Beschwerden an.

Ätiopathogenese und Pathophysiologie:

· Das FMS tritt gehäuft in Familien auf.

· Kein Zusammenhang mit:

a. Schilddrüsenhormonssystem

b. Weiblichen Sexualhormonen

Schmerzverarbeitung:

Es bestehen Störungen der zentralen Schmerzverarbeitung  (verminderte zentrale Hemmung oder negative kognitiv-affektive Bewertung peripherer Reize)

Zytokine:

Erhöhte proinflammatorische und verminderte antiinflammatorische  systemische

Zytokinprofile sind beim FMS beschrieben.

Substanz P: Datenlage uneinheitlich

Aminosäuren:

Veränderungen der Konzentration einzelner Aminosäuren  sind beschrieben.

Ein Zusammenhang zwischen einem Unfallereignis, psychosozialen Risikofaktoren konnten nicht gezeigt werden.

Entzündlich rheumatische Erkrankungen: höhere Prävalenz des FMS

Zervikale Spinalkanalstenose: in Einzelfällen.

Zusammenfassung:

FMS ist eine Endstrecke verschiedener ätiopathogenetischer Faktoren.

Allgemeine Behandlungsgrundsätze:

· Versorgungskoordination und Patientenschulung:

· Merksatz:

· Patientenzentrierte Kommunikation, medizinische Trainingstherapie, Psychotherapie und multimodale Therapie sind der Routinetherapie durch Hausärzte oder Rheuma-tologen in den Zielparametern Beschwerden und Beeinträchtigungen  überlegen.

·

Die kurzfristige und für die Dauer der Behandlung bestehende Wirksamkeit einiger medikamentöser Behandlungsstrategien ist gesichert.

Folgende ambulante Behandlungen:

a. Patientenschulungsprogramme

b. An individuelles Leistungsvermögen angepasstes aerobes  Ausdauertraining,Sport

c. Amitriptylin

d. Diagnostik und Behandlung komorbider körperlicher Erkrankungen und

e. seelischer Störungen.

Medikamentöse Therapie

· Psychopharmaka

· Antidepressiva

· Auch "harmlose" Analgetika wie Novaminsulfon*.

* Novamin als Tropfen sind besser als Tabletten den Schmerzen angepaßt

dosierbar. (Anmerkung des Autor)

Stellungnahme:

Eine längerfristige Therapie mit Amitriptylin kann im Falle einer Besserung

der Schmerzsymptomatik und der Schlafqualität unter Berücksichtigung der

Nebenwirkungen und Patientenpräferenzen erwogen werden.

Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie und physikalische Therapie

ebenso Maßnahmen, welche die Patienten nach therapeutischer Anleitung eigenständig dauerhaft einsetzen können:

Aerobes Ausdauertraining, Balneotherapie und Wärmeanwendungen, Gruppengymnastik, siehe 1. Fassung der Leitlinien.

Im Rahmen mehrerer Therapieoptionen kann erwogen werden:

· ·  Zeitlich befristeter Einsatz passiver physikalischer Maßnahmen

· (Massage,Lasertherapie)

· · Krankengymnastik

· · Bewegungsübungen, Anleitung zur Selbstbeübung.

· · Psychotherapie

Alternative Therapieverfahren:

Komplementärmedizinische Maßnahmen, d.h. als Ergänzung zur konventionellen Standardtherapien:

Naturheilverfahren entsprechen der Behandlung mit von der Natur vorgegebenen Mitteln und Methoden:

Klassische Naturheilverfahren:

a. Hydrotherapie, Balneotherapie, Thermotherapie, Elektrotherapie

b. Bewegungstherapie, Manuelle Therapie, Massage, Physiotherapie,  (auch

c. Verfahren wie Feldenkrais, Yoga, Alexander Technik, Hatha Yoga,

d. Phytotherapie

e. Ernährungstherapie und Fastentherapie

f. Ordnungstherapie, Mind-Body-Verfahren

Erweiterte Verfahren

1. ·  Neuraltherapie,

2. · Osteopathie

3. · Akupunktur und traditionelle Chinesische Medizin

4. · „Ausleitende“ oder „ableitende“ Verfahren (Schröpfen; Blutegel u.a.)

Homöopathie und Anthroposophische Medizin gelten als eigenständige

Therapierichtungen. Apparative Verfahren (zumeist mit fehlendem Wirksamkeitsnachweis) wie Sauerstofftherapie, Bioresonanz.

Wirksamkeit der Akupunktur ist widersprüchlich.

Vegetarische Kost

Es liegen Hinweise für einen möglichen Nutzen einer vegetarischen bzw. veganen Ernährung am Therapieende vor. (z.B. gegen Übersäuerung)

Fußzonenreflextherapie

Der zeitlich befristete Einsatz von Fußreflexzonentherapie innerhalb

multimodaler Therapiekonzepte kann erwogen werden.

Anmerkung:

Untersuchungen, wie den Vitamin D-Spiegel und viele Behandlungen werden nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der Mangel an Vitamin D kann allerdings Symptome einer FMS hervorrufen.

Siehe dazu Stichworte Vitamin D! → Vitamin D

Zur FMS = Fibromyalgiesyndrom, s.o!

Es gibt eine

Kurzfassung der Leitlinie (LL) vom 01.04.2012

so wie deren letzte Korrektur vom 16.04.2012

nachzulesen auf der Internetseite:www.uniduesseldorf.de/AWMF/ll/041-004.htm,

Stand: 01.04.2012 , gültig bis 01.04.2017

So wie die

Langfassung der neuen LL ist derselben WEB-Seite zu entnehmen.


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