Schmerzen überall, Fortsetzung 1

Fortsetzung 1

siehe unter → Schmerzen überall!

Natürlich wird viel untersucht. Blutuntersuchungen.

Labor: Blutbild, Entzündungswerte, Rheumawerte, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte.

Alles o.B. = ohne Befund, also Normalwerte

Röntgenuntersuchungen oder MRT (Kernspintomographie) oder CT (Computertomographie) von Gelenken und Wirbelsäule werden veranlaßt. Alles o.B., kein krankhafter Befund. Was nun? Doch Psyche?

Sie zweifeln schon selbst, machen sich Vorwürfe. Aber die Schmerzen können Sie sich doch nicht einbilden. Die spüren Sie. Jeden Morgen.

Jetzt nehmen Sie Schmerzmedikamente. Was Sie so haben. Ihr Hausarzt verordnet Ihnen wohl

Medikamente gegen Schmerzen (Analgetika)

zum Schlafen, zur Beruhigung (Psyhopharmaka)

vielleicht auch mal Massagen.

Doch nichts hilft wirklich.

Fallbeispiel 1

Ich selbst war der Betroffene.

Schmerzen morgens, im Nacken, Hals- und Schulterbereich. Konnte meinen Kopf nicht bewegen, mußte ihn mit beiden Händen festhalten und konnte kaum aus dem Bett kommen. Hatte schon Schmerztabletten und Wasser am Bett stehen, ließ sie 20 Minuten wirken und schaffte es irgendwie. Mußte ich auch, weil ich pünktlich zur Arbeit antreten mußte, weil ich in der Klinik `Alleinherrscher`war und mich nicht vertreten lassen konnte.

Patienten warteten schließlich auf mich.

Im Laufe des Vormittags während der stressigen Arbeit verloren sich die Schmerzen langsam, und ich vergaß sie ... bis zum nächsten Morgen.

Das konnte nicht immer so weiter gehen.

Natürlich hatte ich erst mal meine eigene Diagnose: Bandscheibenvorfall in der HWS (Halswirbelsäule). Hatte ich schon mal. Schmerzen waren so ähnlich, auch so stark; aber damals nachts und zwischen den Schulterblättern, auch Taubheit rechts in einigen Fingern.

Na ja, erst mal überspielen, nicht nachdenken, arbeiten.

Schließlich: Ich gehe zum Rheumatologen (obwohl ich selbst einer bin) und wollte mir meine Rheuma-Verdachtsdiagnose bestätigen lassen. Legte dem Doktor auch die Beschwerden parat: Morgens, starke Schmerzen, kaum aus dem Bett ...

Blutuntersuchungen: Na ja, die BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) war erhöht, so um 40 (mmHg) in der 1. Stunde. Hatte wohl gerade einen Infekt. Verständlich, weil ich Pollen-allergisch bin und dauernd Schnupfen und so ... hatte. Vitamin D hatte der Doktor - immerhin - untersuchen lassen. War auch erniedrigt, so bei 18yg, obwohl ich schon seit etwa 6 Monaten eifrig Lebertran zu mir nahm. Umso erstaunter war ich, als ich den niedrigen Wert erfuhr. - Damaliger Normalwert lag nach den Büchern bei 25 - 30 yg, also deutlich erniedrigt. Macht auch Muskelschmerzen.

Und was verordnete der Rheumatologe mir?

Amitriptylin, ein Antidepressivum. Ich sei wohl überarbeitet.

Glauben Sie, ich hätte das Rezept eingelöst?

Ich konnte mir doch meine Schmerzen nicht einbilden!

Wenn ich schon zu einem Arzt und Kollegen gehe und ihm auch die Beschwerden quasi "auf dem Tablett serviere!"

So hatte ich selbst die passende Diagnose: Polymyalgia rheumatika (PMR). Die Therapie war entsprechend mit Cortison. In der richtigen Dosierung waren die Schmerzen am nächsten Tag fast verschwunden, es war schließlich einen Tag vor Heilig Abend, und mit Schmerzen konnte ich doch nicht nachhause fahren.

Als Stoß-Behandlung nahm ich Cortison in absteigender Dosierung 1 Jahr lang und habe seitdem (8 Jahre) keine derartigen Schmerzen mehr.

Was lehrt uns das?

1. Diffuse starke Schmerzen im Bereich der oberen Körperhälfte, etwas seltener auch mal im Bereich des Beckengürtel und schließlich auch mal im ganzen Körper können rheumatisch von einer sog. Polymyalgie ausgelöst werde. Durch die richtige Behandlung kann diese auch wieder für immer verschwinden.

2. Die rheumatische Polymyalgie kennt nicht jeder Arzt, auch der Rheumatologe nicht immer.

3. Cortison ist - richtig angewandt - ein Wundermittel.

4. Vitamin D-Mangel ↔ kann ähnliche Symptome auslösen. Der jetzt empfohlene Normalwert beträgt: Untergrenze 40 yg

Obergrenze 75 yg bis 80 yg. Lassen Sie sich Ihren Vitamin D-Spiegel untersuchen = leider nur als Selbstzahlerleistung, um 40,--€.

5. Und schließlich, aber in den meisten Fällen der Schmerzen überall

gibt es kein Wundermittel durch bestimmte Medikamente. So schön es auch bei        dieser Fallbesprechung war. Es ist ein seltener Fall, der vorkommen kann.

Fortsetzung: → Schmerzen überall, Fortsetzung 2


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