Coxitis / Polymyalgie

Frage:

Guten Tag, bei mir wurde anläßlich eines Aufenthaltes in der "Klinik für Manuelle Therapie" in Hamm folgende Diagnose gestellt: ... entscheidend erscheint eine Coxitis rechtsseitig, am ehesten auf ischämischer Grundlage. Eine rheumatologische Erkrankung kann nicht ausgeschlossen werden. ... ist eine antiphlogistische Behandlung indiziert. ... wenn nicht erfolgreich, dann über eine Hüftprothese nachgedacht .... Können Sie mir einen Facharzt/Fachkrankenhaus mit Spezialisierung "COXITIS" nennen?

Antwort:

...  für Ihr Hüftleiden ist eine schnelle Antwort notwendig.

Denn eine akute Coxitis = Hüftgelenkentzündung bedarf einer sofortigen Behandlung.

Eine rheumatische Coxitis ist

1. selten,

2. auch bei bestehendem Rheumaleiden, sog. Polyarthritis, ist die Coxitis selten,

3. dann allerdings meist akut, mit starken Schmerzen, so daß der Patient kaum gehen kann.

So muß – mit Vorbehalt, weil ich Sie nur aus der Mail kenne und Sie eigentlich untersuchen müßte, - eher an andere Ursachen denken. Nach der Wahrscheinlichkeit ist noch mehr bei Männern als bei Frauen  an Stoffwechselstörungen zu denken:

- erhöhte Harnsäure im Blut, manchmal flüchtig, so daß sie im Blut normal sein kann, also häufiger gemessen werden sollte. Die erhöhte Harnsäure kann eine Gicht, auch im Bereich der Hüfte verursachen, mit mehr oder weniger starken Schmerzen.

- erhöhte Fettwerte im Blut, Cholesterine, Neutralfette usw.

- Die Funktionsstörung der Schilddrüse kommt eher bei Frauen vor.

Eine flüchtige Hüftgelenkentzündung kann bei Infekten, z.B. bei Grippe, Darmerkrankung usw. auftreten.

Im Röntgenbild ist dann häufig von einer ischämischen Störung, das ist eine Durchblutungsstörung, die Rede. Diese kann ebenfalls sehr akut als sog. Knocheninfarkt auftreten und der Knochen des Hüftkopfes kann zu 1/3 oder auch mehr kaputt (nekrotisch) gehen.

Natürlich ist die Behandlung von der Diagnose und Ihren Beschwerden abhängig. Je akuter die Krankheit und je stärker Ihre Schmerzen sind, desto mehr muß die Hüfte entlastet werden, von Bettruhe bis zu 2 Unterarmstützen. Medikamente werden begleitend gegeben, schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend, z.B. Diclofenac, z.B. 3 x 50 mg, bei starken Beschwerden rate ich zu Diclo uno („uno“ heißt: 1 x am Tag!) oder Ibuprofen.

Ob Behandlungen mit Wasser, Bewegungsbäder, Krankengymnastik usw. infrage kommen, hängt von dem Befund ab, und ich kann aus der Ferne nichts dazu sagen. Die Grundkrankheit, die mögliche Stoffwechselstörung, sollte dann auf jeden Fall mitbehandelt werden.

Welcher Arzt ist zu empfehlen?

Grundsätzlich sollte ein – erfahrener – Orthopäde, noch besser als Rheumatologe wissen, was zu tun ist; besser natürlich ein Orthopäde / Rheumatologe, der auch regelmäßig operiert, in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, der die Blutuntersuchungen veranlaßt.

Auf der Seite „Coxitis“ ist das Thema noch mal genauer beschrieben.

Ergänzende Frage/Antwort:

Ich habe die ganze Palette der Blut-, Urin- und sonstigen Untersuchungen durchgemacht. Es gab nur einen erhöhten CRP-Wert von 4 - 4,5 – sogar 6,... Kein Arzt wusste woher und was die Ursache war.

... wurde die Coxitis festgestellt. Nach dem Vorschlag habe mich bei einer Rheumatologin vorgestellt.

Nach ausführlichem Check kein klassischer Rheumapatient. Mein Autoimunsystem ist nicht in Ordnung. Irgendwo schwirren Bakterien durch meinen Körper, welche Ursache für die fast unerträglichen Schmerzen sind. Blut wurde entnommen und zur Analyse geschickt. Ergebnis noch offen.

Ich nehme auf Veranlassung der Rheumatologin Cortison 10 mg pro Tablette, 20 mg morgens und 10 mg abends.. Dann abgestuft nach einem genau aufgestellten Plan und endend mit max. 2,5 mg am Tag.t;

Jetzt schon, nach 6 Tagen, ist mein Schmerzpotential um fast 50 - 60 % niedriger als sonst. Für mich nach 1 1/2 Jahren ein Wunder.

Ich hoffe, alles wird gut.

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wir haben eben telefoniert. Sie leiden an einer sog. Polymyalgia rheumatica, PMR.

Dafür spricht:

1. Schmerzen „von oben bis unten“, von den Ohren bis zu den Kniegelenken,

2. Schmerzen schon seit 1 ½ Jahren, ohne daß Ärzte eine Ursache fanden.

3. Schmerzen dauernd, (in der letzten Zeit) morgens mehr als abends, morgens steif, „erst in die Gänge kommen“, wie Sie sagen.

4. Ihr Alter von 67 Jahren.

5. Labor: CRP immer hoch, zuletzt sogar 6,... (normal < 1).

Das sind so typische Fakten, daß die Diagnose einer PMR sicher ist. Die Therapie der Wahl ist Cortison, und die jetzige Schmerzfreiheit ist – ex juvantibus (aus Erfahrung) – beweisend.

Wenn Sie jetzt nach einer möglichen Ursache der PMR fragen, so heißt es erstmal: Die PMR kommt wie angeflogen, Ursache unbekannt.

Trotzdem würde ich an 1. Stelle an Stoffwechselstörungen denken, zumal Sie etwas übergewichtig sind (BMI 27): Erhöhte Harnsäure – trotz sicherlich mehrfach gemessener Normalwerte – im Sinne einer Gicht, bzw. Pseudogicht, der Chondrocalcinose. Der Beweis dafür ist häufig schwierig, jetzt auch weniger bedeutend, da es Ihnen besser geht, hoffentlich auf Dauer; aber jetzt sind Sie in guten Händen einer Rheumatologin, so daß solche Beschwerden nie wieder auftreten werden.


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